Atemtraining und Lungentraining — eine Einordnung

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„Lungentraining“ klingt nach Volumen. In der Praxis geht es fast nie um mehr Luft, sondern um Toleranz, Mechanik und Steuerung. Der Unterschied entscheidet darüber, ob Atemarbeit etwas bringt.

Rund um Atemtraining kursieren zwei Missverständnisse. Das erste: Es gehe darum, mehr Luft aufzunehmen. Das zweite: Tiefes Atmen sei immer gut. Beides greift zu kurz und führt dazu, dass viele Atemübungen wirkungslos bleiben oder das Gegenteil bewirken.

Der Antrieb kommt vom Kohlendioxid

Das Bedürfnis zu atmen entsteht in erster Linie nicht durch Sauerstoffmangel, sondern durch steigendes Kohlendioxid im Blut. Wie früh dieser Antrieb einsetzt, ist individuell verschieden — das ist die CO₂-Toleranz. Eine niedrige Toleranz führt zu schneller, flacher Atmung, erhöhter Grundspannung und dem Gefühl, nie richtig anzukommen.

Für das Training heisst das: Es geht nicht um mehr Volumen, sondern um eine ruhigere, besser gesteuerte Atmung bei gleicher Belastung. Genau das macht auch Atemarbeit vor dem Wettkampf sinnvoll — nicht als Leistungsverstärker, sondern als Regler für das Erregungsniveau.

Mechanik vor Menge

Das Zwerchfell ist nicht nur Atem-, sondern auch Haltemuskel. Arbeitet es nicht mit, übernimmt die Hilfsmuskulatur in Hals und Schultern — und die Rumpfspannung leidet, weil die Vorspannung fehlt, über die Kraft in die Extremitäten übertragen wird.

Ein einfacher Prüfpunkt: In Rückenlage mit aufgestellten Beinen eine Hand auf die unteren Rippen legen. Weiten sich die Rippen zur Seite, arbeitet das Zwerchfell. Springt nur der Bauch nach vorne oder heben sich die Schultern, fehlt die Mechanik — und keine Menge Atemübungen ersetzt sie.

Eine Atemübung, die das Schwindelgefühl sucht, trainiert nicht die Toleranz, sondern nur die Hyperventilation.

Was sinnvoll ist — und wo Schluss ist

Drei Zugänge haben sich bewährt: die verlängerte Ausatmung zur Beruhigung, Zwerchfellarbeit in verschiedenen Körperpositionen für die Mechanik, und kurze, komfortable Atempausen für die Toleranz. Alles in kleinen Dosen.

Die Abbruchkriterien sind dabei nicht verhandelbar: Schwindel, Kribbeln in Händen oder Gesicht, Druck im Kopf — dann ist die Übung sofort beendet. Wer sie als Zeichen von Wirkung deutet, hat das Prinzip missverstanden.

Und die Geräte?

Atemtrainer mit einstellbarem Widerstand trainieren die Atemmuskulatur und haben ihren Platz, besonders in der Rehabilitation. Für die Fragen, um die es hier geht — Toleranz, Mechanik, Steuerung —, sind sie nicht nötig. Wir arbeiten ohne Gerät, weil sich Mechanik und Steuerung ohnehin nur in der Position verändern lassen, in der sie später gebraucht werden.

Eine notwendige Abgrenzung

Atemarbeit im Training ist keine Behandlung von Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Asthma, nach einer Lungenerkrankung, bei Bluthochdruck, in der Schwangerschaft oder bei unklarer Atemnot gehört die Abklärung vorher in ärztliche Hände. Danach lässt sich sinnvoll und dosiert damit arbeiten — davor nicht.

Das im eigenen Training anwenden?

Für Athleten im Einzeltraining oder Profiling, für Fachpersonen in den Modulen.

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